schulzschreibt

Hier schreibt Schulz über den täglichen Wahnsinn

ich trinke einen großen cappuccino, der schäumt so schön. betrachte ein bild auf dem bildschirm, trinke einen schluck schlucke, cappuccino, schlucke wasser, es schmeckt salzig, schmeckt nach meer, schmeckt nach dem tod eines kleinen jungen, ertrunken auf der flucht vor den killern, angeschwemmt an einen strand, an eine fremde küste, er sieht so schrecklich allein aus so schrecklich allein, doesn’t anybody feel, alles schmeckt salzig, that all these killers should be killed, die schaumigen wellen streicheln das haar, ich denke an meinen sohn, die bilder verschwimmen, ertrinken, ich trinke, ertrinke, so viel salz, es schäumt so schön

Wenn, dann

Wenn ich einen neuen Laptop hätte, am liebsten ein MacBook Air von Apple, dann würde ich endlich einen großen Roman schreiben können, dann würde das Schreiben ganz leicht von der Hand fallen, das steht fest.
Wenn ich neue Joggingschuhe hätte, dann würde ich jeden Tag joggen und mein Bauchansatz wäre im Nu verschwunden, mit Sicherheit!
Wenn ich einen Plattenspieler hätte, einen richtig guten, und dazu eine High-End Stereoanlage, dann würde ich endlich wieder bewusster Musik hören, mir Zeit dafür nehmen und Musik endlich wieder genießen.
Wenn ich ein ZEIT-Abonnement hätte, dann würde ich mich jede Woche stundenlang mit der Zeitung beschäftigen und mich gut informieren. Ich würde zu einem besseren Menschen werden, jaja.
Wenn ich einen Garten hätte, dann würde ich endlich mein eigenes Gemüse und Obst anpflanzen, würde jedes Wochenende im Garten verbringen und mich in der Natur aufhalten. A propos: Wenn ich nur näher am Stadtrand wohnen würde, dann würde ich ständig in den Wald gehen und über die Felder spazieren!
Wenn ich das neue Kochbuch von Attila Hildmann hätte, dann würde ich endlich jeden Tag vegan kochen und mein komplettes Leben in den Dienst der Selbstoptimierung stellen, wirklich!
Und mit einem neuen Fahrrad würde ich wieder öfter Radfahren. Mit einem neuen edlen Füller wieder öfter von Hand schreiben. Mit einem neuen Smartphone mehr in Kontakt mit meinen Freunden bleiben. Mit einer neuen Digitalspiegelreflexkamera endlich viele Bilder machen und alles in Fotoalben dokumentieren. Und in einem neuen Haus würde endlich alles besser sein, dann hätte ich endlich ein eigenes Sportzimmer und würde jeden Tag trainieren.

Es könnte alles so einfach sein. Ich würde so vieles erreichen. Goldene Zeiten stünden mir bevor. Aber leider ist alles mal wieder viel komplizierter. All meine guten Vorsätze scheitern allein am Geld!

Die Spendierhose

Man müsste mal eine Hose haben mit einer magischen Hosentasche. In der wären immer 20 Euro drin, wenn man hineingreift, egal zu welcher Uhrzeit. Reingreifen, 20 Euro rausholen, reingreifen, 20 Euro rausholen, und immer so fort. Das wäre schön, so eine magische Hosentasche…man wäre bald steinreich und alle Sorgen los. Oder besser noch 50 Euro. Oder 100 Euro! 100 Euro müssten immer drin sein! Dann könnte man sich alle Wünsche erfüllen. Nur dürfte die Hose nicht kaputt gehen. Oder geklaut werden. Das wäre schlimm, wenn man weiß, dass da irgendwer anderes in die magische Hosentasche greift und 100 Euro rauszieht und man selbst sitzt da. Ohne Geld. Ohne magische Hosentasche. Ohne Perspektive. Um den Erfolg betrogen.
Aber leider hat man ja sowieso keine Hose mit einer magischen Hosentasche, in die man immer und immer wieder hineingreifen kann und immer 100 Euro drin sind. Scheiße aber auch!
Ich habe fünf Hosen mit insgesamt zehn Hosentaschen. In die kann man hineingreifen, aber außer benutzten Taschentüchern findet man nur selten etwas. Eine der zehn Hosentaschen ist aber doch besonders, die von meiner Jeans. Die hat nämlich seit kurzem ein Loch. Das habe ich bermerkt, als ich neulich hineingegriffen habe, um die 100 Euro rauszuziehen, die ich vorher hineingesteckt hatte. Ich griff hinein und da war – nichts, nur ein Loch. Und ich wünschte mir, dass ich nur 20 Euro hineingesteckt hätte und keine 100 Euro. Wenn ich jetzt eine magische Hosentasche hätte, dann…ich will gar nicht dran denken.

Pause

schulzschreibt macht Pause.
Warum? Weil schulz schreibt, aber nicht für den Blog. schulz hat sich da in ein Schreibprojekt verbissen…das reagiert sehr eifersüchtig, wenn schulz es fragt, ob er nicht auch mal wieder was für den Blog schreiben darf…(„Bin ich dir nicht wichtig genug? Ist es das? Sag schon schulz, sag schon, du mieses Schwein!“).
Wie lange dauert die Pause? Eine gute Frage, auf die es wie immer auch eine gute Antwort gibt: Die Pause ist dann zu Ende, wenn die Pause zu Ende ist (frei nach Rocky Balboa).
Und jetzt? Am besten selbst etwas schreiben! Vielleicht beginnt die Geschichte so: „Schulz hat mit der Begründung gekündigt, dass ihm der Kaffee im Büro nicht geschmeckt hat. Er hat gesagt, dass er es satt habe, so unendlich satt, schlechten Kaffee zu trinken. Kaffee, den ich in diesem Moment trinke und denke: Schulz hat recht, der Kaffee ist wirklich schlecht, aber kündigt man deshalb seinen Job? Braucht man dafür nicht einen besseren Grund?“ (to be continued…)

Herr P. hält die Luft an

Herr P. fährt jeden Morgen mit der U-Bahn zur Arbeit. Fünf Stationen, er hat es nicht weit. Er verlässt seine Wohnung gegen 7.30 Uhr, läuft zur Station, wartet bis die Bahn kommt, steigt ein und hält sich irgendwo fest. Freie Plätze gibt es auf dieser Strecke um diese Uhrzeit nicht. Die Menschen stehen gedrängt, berühren sich.
Herr P. hat eine sehr feine Nase. In der U-Bahn hält er deshalb die Luft an. Die Menschen um ihn herum riechen nach so vielem. Herr P. kann sehr lange die Luft anhalten.
Normalerweise muss er nur fünf oder sechs Mal Luft holen, bis er seine Zielstation erreicht und aussteigt. Wenn er mehr als fünf Mal Luft holen muss, ärgert sich Herr P., das verdirbt ihm den ganzen Vormittag, er ist dann unfreundlich zu den Kollegen.
Niemand weiß, dass Herr P. jeden Morgen in der U-Bahn die Luft anhält und zu welcher Meisterschaft er es darin gebracht hat. Und niemand weiß, wie stolz er darauf ist. Deshalb fährt er auch jeden Tag weiterhin mit der U-Bahn anstatt mit dem Rad: Er hat Angst davor, aus der Übung zu kommen. So große Angst, dass er nachts manchmal nicht schlafen kann deswegen.
Herr P. hält die Luft an.
Er zählt die Sekunden.
Er lächelt.
Heute wird ein guter Tag.

Mir kommt das Knochenkotzen

Mal was in eigener Sache: Ich bin traurig. Sehr sehr traurig. Mein Freizeitspaß hier bei uns im Viertel hat in jüngster Zeit deutlich gelitten. Die Eckkneipe hat zugemacht! Stattdessen eröffnet ein Okö-Beauty-Salon mit blablabla Methoden, gut für Körper und Seele blablabla, ganzheitlich achtsam blablabla in Wahrheit wollen wir nur eure Kohle! (aber das steht da nicht, das steht da nicht!) – die Eckkneipe war gut für meinen Körper und meine Seele, verdammt! Der Wirt wollte auch meine Kohle, hat mir aber nie falsche Versprechungen gemacht! Ach scheiße! Schon die zweite verreckte Eckkneipe, in der ersten ist jetzt ein vegan-buddhistisches Café, wo sich im Cappuccino-Milchschaum kaffeebraune Drachen, Herzen und andere Schöngeistigkeiten tummeln.
Aber jetzt zu Punkt 2. Auch die Videothek hat zugemacht, die Videothek, verdammt! Drei neue Filme für 7,50 Euro bis zum nächsten Tag, dazu rauchende Angestellte, mit denen man sich über jeden Film mehr oder weniger sinnvoll austauschen konnte. Und jetzt ratet mal, was jetzt in die verwaisten Räume kommt, natürlich nach umfassender Renovierung. Ratet mal! Genau! Ein Okö-Beauty-Salon mit blablabla Methoden, gut für Körper und Seele blablabla, ganzheitlich achtsam blablabla in Wahrheit wollen wir nur eure Kohle! (aber das steht da nicht, das steht da nicht!) – die Videothek war gut für meinen Körper und meine Seele, verdammt!
Aber irgendwann, all ihr Okö-Beauty-Salons und veganen Cafés, irgendwann, das prophezeie ich euch, irgendwann, wenn sich niemand mehr für euch interessiert, dann werden die Eckkneipen und Videotheken aus ihren Löchern gekrochen kommen und sich ihren rechtmäßigen Platz zurückerobern! Und dann werde ich mir ein frisch gezapftes Bier und einen ehrlichen Kartoffelsalat aus dem Plastikeimer bestellen und auf euren Untergang anstoßen. Und danach leihe ich mir drei neue Filme für 7,50 Euro bis zum nächsten Tag aus und glotze die ganze Nacht!

Der Trend geht zum lebendigen Hut

Baseballkappen? Schiebermützen? Slouch Beanies? Ich sage mal – Trends von gestern. Wer sowas noch trägt, der schreibt wahrscheinlich auch noch SMS und liest gedruckte Bücher. Die Hutmode war schon immer ein schnelllebiges Geschäft und jetzt kommt der nächste Trend mit Vollgas um die Ecke gebogen. Damit ihr den nicht verpasst, gibt es hier ein kurzes Update in Sachen Style: Der letzte Schrei sind jetzt lebendige Hüte (manche von denen schreien wirklich!). Klingt erstmal bekloppt, ist aber so. In New York, Shanghai und London sieht man sie jetzt immer öfter. Kein Wunder. Mit einem Nacktschnecken-Fascinator ist man auf jeder royalen Hochzeit der Star, ein Zitterrochenschlapphut schützt zuverlässig gegen die Sonne und kühlt gleichzeitig, während die Original-Lammmütze einfach perfekt für den Winter ist und ordentlich blökt. Zugegeben, die meisten Modelle sind noch nicht ganz ausgereift – viele der lebendigen Hüte sind derzeit nach einmaligem Tragen oft nur noch wenig oder gar nicht mehr lebendig, aber in Zukunft werden diese kleinen Problemchen behoben sein. Dann werden auch die Tierschützer zufrieden sein und man kann ungestört einen lebendigen Hut tragen. Mein Favorit bisher ist der Oktopus-Hut, den man allerdings nur schwer wieder herunterbekommt. Ein guter Freund von mir, ein Modemacher in New York, schwört hingegen auf den Babyameisenbärhut, dessen einziger Nachteil die lange Zunge des Tiers ist, die einem ständig im Gesicht oder Kaffee hängt. Auch wer gerne Pelz trägt, Hermelin oder Kaninchen zum Beispiel, muss sich in Zukunft keine Anfeindungen durch seine tierliebende Umwelt mehr gefallen lassen, denn bald wird kein Tier mehr für eine Mütze sterben müssen. Alles bleibt lebendig, alles wird gut! Ich sage: Hut ab vor dieser Erfindung! Wer diesen Trend verpasst, ist selbst schuld.

So trainiert man heute!

Registrieren Sie sich noch heute! Nur wenige Klicks trennen Sie von der unendlichen Welt der Online-Fitness!
Online-Fitness? Ganz richtig. Heute trainiert man nicht mehr im Offline-Fitnessstudio, sondern im Online-Fitnessstudio. Melden Sie sich noch heute an und kommen Sie in den Genuss zahlreicher Vorteile: Keine lästige Anfahrt, kein Umziehen, kein Schwitzen, kein Duschen! Und das Wichtigste: Keine anderen Menschen, mit denen man seine ganz persönliche Fitness-Experience teilen müsste. Natürlich 24/7, 365 Tage im Jahr.
Ob mit PC, Laptop, Tablet oder Smartphone: Unser Online-Fitnessstudio ist immer für Sie offen. Loggen Sie sich ein und geben Sie einfach die gewünschte Sportart und Trainingsdauer ein – schon geht es los, ohne dass Sie sich dafür bewegen müssten, denn das übernimmt in Zukunft Ihr virtuelles Ich! Sie haben richtig gelesen: Sie können von überall aus die Sportart Ihrer Wahl trainieren ohne selbst etwas tun zu müssen. Von der Arbeit, abends am Fernseher oder sogar nachts, wenn Sie schlafen! Das Training erledigt ganz bequem Ihr Online-Ich und Sie haben Zeit für andere Dinge.
Ihr exklusiver Vorteil: Für nur 9,99 Euro im Monat trainieren Sie online so viel Sie wollen – da kann kein Offline-Fitnessstudio mithalten. Lassen Sie sich dieses attraktive Angebot nicht entgehen. Treten Sie noch heute ein in die unendliche Welt der Online-Fitness. Gerne beraten wir Sie bei Ihrem ganz persönlichen Trainingsplan.
Online-Fitness – so trainiert man heute!

Belle Moustache

Ich bin Weltmeister! Schon wieder! Nach meinem unglaublichen Erfolg bei der WM der Meerschweinchen-Züchter habe ich diese Woche gleich im Anschluss an der Bartweltmeisterschaft teilgenommen. Als Vorbereitung habe ich mich ein Jahr lang nicht rasiert und einen Tag vor der WM dann von meinem geheimen Meerschweinchenfriseur frisieren lassen. Effekt: Ein unverwechselbarer Backenbart nach Meerscheinart, rauschend, anmutig und irgendwie wahnsinnig zugleich.
Um den Titel haben mehr als 300 Teilnehmer aus 20 verschiedenen Nationen in 18 Klassen gekämpft. Ich bin in der Klasse „Backenbart Freistil“ angetreten und habe Jury und Publikum begeistern können. Die anderen Teilnehmer haben natürlich mit Abscheu auf mich geblickt, da ich kein Teil der „Szene“ bin. Besonders Mitglieder des Bayerischen Bart- und Schnauzerclubs haben mich immer wieder angepöbelt, aber was zählt das schon im Vergleich zum Titel.
Zwei WM-Titel in zwei Wochen! Was soll jetzt noch kommen? Wird mich Real Madrid verpflichten und mir 10 Millionen pro Jahr anbieten? Ich bin gespannt.
Mein nächstes Ziel ist die Saunaweltmeisterschaft. Auch hier rechne ich mir gute Chancen aus.

Wir sind Weltmeister

Dr. K. Nickel gewidmet

Es war alles andere als ein Spaziergang: Wir haben geackert, geschuftet, wir haben alles gegeben und uns irgendwie durchgebissen, von all den Jahren intensiver und akribischer Vorbereitung ganz zu schweigen. Das Finale war wie erwartet eine ganz enge Geschichte, aber am Ende sind wir für unseren unerschütterlichen Siegeswillen belohnt worden. Jetzt stehen wir ganz oben und schauen herab, genießen die weltweite Aufmerksamkeit von all den Millionen Fans, wir: mein Meerschweinchen Schnorchel und ich, die neuen Champions der Meerschweinchen-Züchter-Weltmeisterschaft!
Aber der Reihe nach: Mehr als 900 Meerschweinchen aus 50 Ländern sind im Finale in Würselen (Regierungsbezirk Köln) gegeneinander angetreten. „Unspektakulär“, mag jetzt der eine oder andere denken. Ich sage: Ein unvergessliches Erlebnis, von dem man noch seinen Enkeln und Urenkeln erzählen wird, größer noch als jede Fußball-WM. 900 Finalteilnehmer!
Vom ersten Moment war Feuer drin, denn die Preisrichten urteilen hart, kritisch und unnachgiebig. Bewertet wurden die Tiere in Kategorien wie Augen, Ohren, Körperbau und Farbverteilung, am Ende erhielten Sie Prädikate von „miserabel“ über „armselig“ bis hin zu „vorzüglich“, „Weltklasse“ und „göttlich“. Ich weiß nicht, wie viele Tausend Stunden ich investiert habe, um Schnorchel in allen Kategorien zu optimieren, denn die Richter sehen jeden Fehler. Zum Beispiel war das Meerschwein Honky mit ihrer Züchterin Gundula. Hoffnungsfroh und lächelnd präsentierte sie Honky den Preisrichtern, keine Minute später schlich sie weinend und zähneklappernd davon, Urteil: „Haare ungleichmäßig, nicht ganz voll, außerdem Verfilzungen und Körperbau etwas flach. Zähne ansatzweise kariös. Punktabzug“. Armer Honky, arme Gundula.
Schnorchel hätte solch ein Urteil niemals passieren können. Die Zähne fein, das Haar voll, jeder Haarwirbel an der richtigen Stelle, an Putzigkeit kaum zu überbieten. Entsprechend fiel auch das Urteil der Richter aus: „Schnorchel zeigt einen vorzüglichen Pony und einen vorbildlichen Backenbart. Der Körperbau ist vorne und hinten schön kräftig. Tadellose Bauchlinie, perfekter Halskamm. Höchstpunktzahl!“
Vor Freude habe ich wie ein Meerschweinchen angefangen zu knöttern und zu quieken. „Weltmeister! Schnorchel! Wir haben es geschafft!“
Viele haben mich seitdem nach unserer Erfolgsformel gefragt. Es ist ganz einfach: Da wäre natürlich zu allererst der wöchentliche Gang zum Meerschweinchenfriseur (ja, so etwas gibt es). Dazu täglich (!) Krallen kürzen, Ohren putzen, Fell kämmen. Dazu genügend Auslauf und eine Top-top-top-Ernährung. Schnorchel ernährt sich ausschließlich bio und vegan gemäß der Attila Hildmann Triät, hinzu kommen importierte Spezialgurken aus Indonesien. Man sieht: Kein Hexenwerk.
Ich möchte mich, auch im Namen von Schnorchel, für die unzähligen Glückwünsche bedanken, die wir in den letzten Tagen erhalten haben. Wenn das so weitergeht, muss ich meinen Briefkasten demnächst täglich leeren. Danke! Wir sehen uns in vier Jahren wieder.