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Hier schreibt Schulz über den täglichen Wahnsinn

Monat: Dezember, 2013

Pünktlich unterm Weihnachtsbaum

Ich bin stolz. So richtig stolz! Stolz darauf, mein Bestes gegeben zu haben! Besser geht es nicht! Als Mitarbeiter von *hüstelhüstel* (sag ich euch doch nicht, den Namen von meinem Arbeitgeber) im vor einem Jahr eröffneten Logistikzentrum habe ich zusammen mit meinen Kollegen dafür gesorgt, dass alle online bis zum 22. Dezember bestellten Geschenke nun rechtzeitig unter den Weihnachtsbäumen der Kunden von *hüstelhüstel* liegen. Wir haben Übermenschliches geleistet! Rekorde aufgestellt! Millionen von Bestellungen bearbeitet und zu den Kunden rausgeschickt, alles, vom Bestsellerkrimi bis zur Badeöl-Kollektion.
Zuverlässig!
Schnell!
Motiviert!
T-t-t-täglich!
Oh jeah baby, we did it!
Ich fühle mich wie ein moderner Weihnachtsmann, ach was, ich BIN ein moderner Weihnachtsmann. So viele Wünsche wie wir erfüllt der Weihnachtsmann nicht. Dazu fehlt es ihm an logistischem Know-how und wahrscheinlich auch an unserer Leistungsbereitschaft.
Klar, einfach war es nicht immer. Um so etwas zu leisten, muss man schon ein paar kleinere Opfer bringen. Der ganze Weihnachtsstress dauert ja ein paar Wochen und da heißt es oft: durchhalten! Da ist es gut, einen Chef zu haben, der einen regelmäßig motiviert. Gehaltsabzug, Anschreien, Überstunden, Durchsuchtwerden nach möglicherweise gestohlener Ware und ab und an ein sanfter Ellenbogencheck: Das alles wirkt Wunder! Dafür bin ich meinem Chef auf ewig dankbar. Ich habe das regelmäßig gebraucht, sonst hätte ich das alles nie im Leben geschafft.
Arbeit, Arbeit, Arbeit. So viel Arbeit! Oft habe ich gedacht, dass ich das alles unmöglich schaffen kann. Zum Beispiel musste ich jeden Tag so viele Bestellungen bearbeiten, dass ich zwischendurch nicht aufs Klo gehen durfte. Und? Habe ich deswegen rumgejammert? Nein! Not macht eben erfinderisch. Ich habe mir ganz einfach Windeln angezogen, so Dinger, die es auch in Altenheimen gibt. Da habe ich dann tagsüber reinuriniert. Auch mein Stuhlgang ist dort gelandet. Voilá! Die perfekte Lösung. Ich habe deswegen zwar schon ziemlich streng gerochen und meine Intimzone war abends nach der Schicht oft ganz wundgescheuert, aber sei’s drum: Dafür war ich immer einer der schnellsten Bearbeiter von Bestellungen.
Ein anderes Problem waren die langen Wege, die ich jeden Tag zwischen den einzelnen Regalreihen zurücklegen musste. Da kamen im Laufe des Tages gut und gerne mal 30 Kilometer zusammen, einmal sogar 40. Das war nicht immer schön, klar. In vier Wochen habe ich drei Paar Schuhe durchgelaufen und 25 Kilo abgenommen, obwohl ich sowieso schon Untergewicht hatte. Essen zwischendurch war ja verständlicherweise nicht erlaubt, genauso wenig wie trinken, das hätte alles nur Zeit gekostet. Trotzdem war das eine super Erfahrung, die mich persönlich weitergebracht hat. Jetzt weiß ich, zu welchen außergewöhnlichen Leistungen ich fähig bin, yeah!
So richtig schlimm war eigentlich nur meine Krankheit, die mich Mitte Dezember erwischt hat. Schnupfen, Husten, Halsweh, Fieber, Gliederschmerzen, Schüttelfrost, Kopfweh, Ohrensausen, Magengrimmen, Durchfall und Erbrechen: Das volle Programm eben. Daheim bin ich trotzdem nicht geblieben, no way! Ich habe mir einfach jeden Tag eine Packung Aspirin reingepfiffen, das hat ein wenig geholfen. Andere Chefs hätten mich in meinem Zustand vielleicht nach Hause geschickt, aber nicht meiner. Stattdessen hat er mir einen Mundschutz gegeben, damit ich niemanden anstecke, einfach so, ohne mir die Kosten für das Ding vom Lohn abzuziehen. Absolut genial. Nach einer Woche ging es mir dann auch schon wieder besser.
Jetzt, wo alles geschafft ist, bin ich einfach glücklich über meine Leistung und vor allem über die vielen zufriedenen Menschen da draußen, die ihre Geschenke pünktlich erhalten haben – auch dank meinem Einsatz. Es macht mich froh, all diesen Menschen Freude zu bereiten. Dafür bringe ich gerne das ein oder andere kleinere persönliche Opfer. Wenn ich an all die glücklichen Menschen denke, werde ich ganz rührselig.
Sobald ich aus dem Krankenhaus wieder raus bin, geht es mit voller Kraft weiter, versprochen! Der Arzt sagt zwar, dass ich schwer krank bin, aber ich glaube ihm kein Wort. Schon morgen komme ich hier wieder raus, spätestens an Sylvester. Dann wird gefeiert!
Auch in Zukunft werde ich alles geben. Und jetzt: Frohe Weihnachten! Viel Spaß beim Auspacken!

Der bessere Hund

Es beginnt im Herbst, Ende November.
Regen. Depressionswetter. Ich sitze nach der Arbeit allein in meiner Wohnung vor dem Computer und fühle mich einsam. So geht das schon seit Monaten, aber heute ist es fast unerträglich. Ich überlege sogar ernsthaft, einem Chor beizutreten oder einer Partei, um ein wenig unter Leute zu kommen. So schlimm steht es um mich. Ich weiß, dass es so nicht weitergehen kann. Ich muss dringend etwas unternehmen.
Problem: Ich mag eigentlich keine Menschen und abends habe ich ganz gern meine Ruhe. Nicht gerade die besten Voraussetzungen.
Als kurzfristige Lösung des Problems entscheide ich mich dafür, meine Einsamkeit in Bier zu ertränken. Ich gehe nochmal raus, zum Kiosk, kaufe drei Halbliterflaschen. Auf dem Rückweg kommt mir ein alter Mann mit Hund entgegen. Als wir aneinander vorbeilaufen, höre ich, wie der Mann etwas zu seinem Hund sagt.
„Komm jetzt Charlie, los. Daheim gibt’s was Schönes zu essen. Und dann fernsehen. Heute kommt Fußball. Champions League. Fußball magst du doch.“
Ich drehe mich um und sehe dem Mann hinterher, bis er mit seinem Hund in einem Hauseingang verschwindet. Als ich weitergehe, weiß ich, was zu tun ist: Ein Hund muss her! Warum ist mir das nicht früher eingefallen!
Daheim trinke ich Bier und schaue mir das Fußballspiel an. Dabei stelle ich mir vor, dass neben mir ein Hund auf dem Sofa liegt. Ein gutes Gefühl, das aber nicht besonders lange anhält. Während die zweite Halbzeit läuft, kommen mir die ersten Zweifel daran, ob ich wirklich einen Hund will. Fast im Minutentakt fallen mir Gründe ein, die dagegen sprechen. Hunde machen Dreck und stinken oft. Außerdem muss man sie versorgen. Futter kaufen, Trinken nachfüllen, Arztbesuche. Das alles kostet Geld. Dann das ständige Gassi gehen, ein Alptraum! Hundescheiße eintüten und zum nächsten Mülleimer bringen muss man auch, wenn man nicht von den ganzen selbsternannten Hundescheißenazis belehrt werden möchte. Steuern zahlen muss man auch noch. Und Hunde bellen oft oder winseln, wenn sie was wollen. Darauf habe ich mal überhaupt keine Lust. Und das Schlimmste: Wenn man mit Hunden draußen ist, wird man oft von anderen Hundebesitzern angesprochen, dann muss man sich unterhalten.
Ich liege die ganze Nacht wach.
Am Morgen entscheide ich mich: Ich will keinen Hund.
Am Abend sitze ich wieder da und fühle mich einsam. Ich trinke wieder Bier, aber es hilft nicht, im Gegenteil. Ich versuche meine Schwester anzurufen, aber sie geht nicht ran. Ich versuche einen alten Kumpel anzurufen, den ich seit zehn Jahren nicht gesehen habe, aber die Nummer existiert nicht mehr. Ich surfe durchs Internet, checke E-Mails. Keiner schreibt mir. Ich schaue mir YouTube Videos an. Einzelne Filmszenen aus meinen Lieblingskomödien. Das macht es noch schlimmer. Ich gehe eine Runde um den Block, kaufe und trinke noch mehr Bier. Danach fühle ich mich so einsam wie nie zuvor in meinem Leben. Es muss jetzt etwas passieren.
Vielleicht doch ein Hund?
Nein.
Oder doch?
Nein. Zu aufwändig.
Ein Roboterhund, das wäre was.
Einer, der den ganzen Tag auf dem Sofa sitzt, mit dem Schwanz wedelt, mich bewundernd anschaut und meine Einsamkeit vertreibt, um den ich mich aber ansonsten nicht kümmern muss.
Das wäre was!
Während ich mir noch den Roboterhund vorstelle, kommt mir plötzlich eine Idee. Eine geniale Idee.
Ein ausgestopfter Hund.
Das ist es! Ein ausgestopfter Hund, warum ist mir das nicht gleich eingefallen! Bei Ebay suche ich sofort nach ausgestopften Hunden und tatsächlich: Auf Ebay ist Verlass. Es ist zwar nur ein ausgestopfter Dackel im Angebot, aber ich bin nicht wählerisch. Kostet auch nur 20 Euro. Ich bestelle.
So hat es angefangen.
Waldi ist jetzt seit einem Jahr bei mir.
Was soll ich sagen? Es war wie Liebe auf den ersten Blick.
Kein Scheiß. Ich habe mich seitdem nie mehr einsam gefühlt. Waldi leistet mir Gesellschaft und ist mir ein treuer Gefährte. Er ist immer für mich da, ohne mir in irgendeiner Weise zur Last zu fallen. Kann man sich etwas Schöneres wünschen?
Ich habe meine Kaufentscheidung keinen einzigen Tag bereut! Im Gegenteil: Ich bin gottfroh, dass ich nicht den Fehler gemacht habe, einen lebendigen Hund zu kaufen. Fast wäre ich in diese Falle getappt, in die unzählige vereinsamte Menschen vor mir getappt sind. Glauben Sie mir: Ein ausgestopfter Hund ist so viel besser und bietet Vorteile, von denen die Besitzer lebendiger Hunde nur träumen können.
Ganz klar: Wenn ich Waldi in Punkten bewerten müsste, würde ich ihm fünf von fünf Punkten geben. Ein ausgestopfter Hund bietet alle Vorzüge eines lebendigen Hundes. Darüber hinaus jedoch hat er im Direktvergleich ganz klar die Nase vorn! Gerne möchte ich das kurz im Einzelnen erläutern:
1)    Ein ausgestopfter Hund stirbt nicht, begleitet einen also ein Leben lang! Was will man mehr, gibt es doch nichts traurigeres, als den geliebten Vierbeiner zu Grabe zu tragen bzw. zum Arzt, um ihn einschläfern zu lassen. Ein weiterer Pluspunkt: Wenn man selbst stirbt, braucht man sich keine Gedanken darüber zu machen, was mit dem Hund passiert.
2)    Ein ausgestopfter Hund ist billig im Unterhalt! Nach den Anschaffungskosten fallen keine weiteren Kosten für Futter oder Arztbesuche an.
3)    Ein ausgestopfter Hund ist pflegeleicht. Ab und an muss man ihn abstauben, aber das war es auch schon.
4)    Ein ausgestopfter Hund ist sauber! Er verliert keine Haare, schleppt keinen Dreck ins Haus und scheißt nicht in die Gegend.
5)    Ein ausgestopfter Hund wird niemals krank! Man muss sich also nie Sorgen um seine Gesundheit machen oder mit ihm zum Arzt gehen.
6)    Ein ausgestopfter Hund ist ruhig! Egal was auch passiert: Ihr Hund behält die Ruhe. Das ist allerdings auch sein einziger Nachteil, weil er sich nur bedingt zur Abschreckung von Einbrechern eignet.
7)    Ein ausgestopfter Hund lässt sich leicht entsorgen! Angenommen, Sie haben genug von dem Hund, dann brauchen Sie kein schlechtes Gewissen zu haben, ihn im Keller zu verstauen oder gleich in den Müll zu stecken. Ausgestopfte Hunde sind also zum Beispiel genau das Richtige für Kleinkinder, die einen Hund wollen, der dann aber oft nach wenigen Wochen im Tierheim landet.
8)    Ein ausgestopfter Hund ist das perfekte Geschenk! Im Gegensatz zu einem lebendigen Hund kann man ihn nämlich in Geschenkpapier verpacken oder als Paket versenden.

Fazit: Ein ausgestopfter Hund ist der bessere Hund und eignet sich perfekt für den anspruchsvollen Hundeliebhaber. Habe ich Sie überzeugen können? Dann besorgen auch Sie sich einen ausgestopften Hund! Sie werden es nicht bereuen.
Kleiner Tipp zum Abschluss: Falls Sie schon einen lebendigen Hund haben, verschenken Sie ihn an unliebsame Verwandte. Oder Sie lassen ihn ausstopfen, wenn er stirbt – eine elegante Lösung, die mit Sicherheit Schule machen wird. 

Im Angebot

Mein Druckerpapier ist alle. Schon wieder. Keine Ahnung, was ich gedruckt habe. Kann mich an nichts erinnern. Egal. Papier muss her, damit ich wieder drucken kann. In der Fußgängerzone gibt es einen neuen Schreibwarenladen. Da gehe ich hin.
Ich betrete den Laden. Keine Sau da, außer einer blondgelockten Verkäuferin, die hastig ihren vollgepopelten Zeigefinger aus der Nase zieht und unterm Tresen versteckt. Ich tue so, als hätte ich nichts gesehen.
Druckerpapier, Druckerpapier, aha, da hinten ist es. Stapelweise, nur 2,99 für 500 Blatt. Premiumpapier kostet mehr, aber bei mir wird nichts gedruckt, was irgendwie Premium ist. Also das Billige.
Ich schleppe den Packen zur Kasse und wuchte ihn auf den Tresen. Die Verkäuferin scannt den Preis. Ich suche nach Popelresten an ihrem linken Zeigefinger, aber ich kann nichts entdecken.
„Das macht dann 2,99. Wollen Sie vielleicht eine Packung Klarsichthüllen für 1,69 dazu? Die sind gerade im Angebot“, quakt mich die Frau an. Ich schüttle den Kopf und lege drei Euro auf den Tresen.
„Soll ich die Klarsichthüllen für Sie holen?“
„Nein danke“, nuschle ich. „Nur das Druckerpapier.“
So schnell gibt sie aber nicht auf.
„Wenn Sie zwei Packungen nehmen, sparen Sie 50 Cent.“
„Nein danke“, sage ich nochmal, höflich, aber bestimmt.
„Also nehmen Sie die Klarsichthüllen? Das macht dann 4,68 bitte.“
Ich schüttle energisch den Kopf. „Nein, nicht die Klarsichthüllen. Nur das Druckerpapier. Sonst brauche ich nichts.“
Ich schaue die Frau vorwurfsvoll an. Sie starrt zurück und lächelt. Ich schweige und starre so lange, bis ihre Mundwinkel nach unten sinken.
„Also nur das Druckerpapier?“, fragt sie kühl.
„Genau“, sage ich. „Nur das Druckerpapier. Da liegen schon die drei Euro.“ Ich deute auf die Münzen. Da hellt sich ihr Gesicht wieder auf.
„Hätte ich fast vergessen. Käufer von Premiumdruckerpapier erhalten 100 Luftpolsterversandtaschen für 25 Euro statt für 25,75.“
Jetzt bin ich es, der lächelt. Überlegen lächelt.
„Das ist aber kein Premiumpapier“, sage ich. Triumphierend tippe ich mit dem Zeigefinger auf die Packung. Die Frau presst die Lippen zusammen. Schließlich nickt sie verständnisvoll.
„Wollen Sie dann lieber das Premiumpapier nehmen? Da haben wir auch ein drei für zwei Angebot“, sagt sie.
Ich kann es kaum fassen.
„Ich
will
ein
fach
nur
be
zah
len
und
geh
en“, sage ich langsam und deutlich, jede einzelne Silbe betonend. Nicht wirklich unfreundlich, aber unmissverständlich.
„Kein Problem“, sagt sie.
„Kein Problem?“, frage ich.
„Kein Problem“, sagt sie nochmal.
„Wirklich?“
„Wirklich.“
„Ganz sicher?“
„Ganz sicher.“
„Also ich kann einfach bezahlen und dann gehen.“
„Selbstverständlich.“
„Na dann los“, sage ich.
„Einmal Druckerpapier“, sagt sie, spricht dann aber nicht weiter.
Ich sehe sie an.
Sie sieht mich an.
Es passiert…
…nichts.
Dann beginnt sich ihr Mund zu öffnen und mir bricht der kalte Schweiß aus, denn ich weiß: Es ist noch nicht zu Ende.
„Kommt noch was dazu?“, fragt sie. „Wir haben gerade ein Angebot…“
„Bitte“, stammle ich. „Kein Angebot, nur das Papier. Nur das Papier. Ich bitte Sie. Ich will nach Hause. Ich muss etwas Dringendes ausdrucken. Es ist wirklich wichtig.“
Sie runzelt die Stirn. Dann schenkt sie mir ein strahlendes Lächeln.
„Etwas Wichtiges? Soll ich ihnen dann nicht lieber unser Premiumpapier holen?“, sagt sie.
Und da passiert es plötzlich.
Ich beginne mit dem Kopf zu nicken.
Ich will das nicht, auf keinen Fall, aber ich kann nicht anders. Ich weiß nicht, was los ist. Etwas in mir hat die Kontrolle verloren. Ich bin nicht mehr Herr meines Willens. Immer schneller nicke ich mit dem Kopf.
Die Frau beginnt auch zu nicken und wir nicken uns gegenseitig an, immer schneller. Dann beugt sie sich über den Tresen und rattert los.
„Premiumpapier. Drei für zwei?“
Ich nicke.
„Dazu 100 Luftpolsterversandtaschen für 25 Euro statt für 25,75.“
Ich nicke.
„Eine Packung Klarsichthüllen für 1,69 dazu?“
Ich nicke.
„Wollen Sie auch Ihren Strom- und Telefonanbieter wechseln?“
„Jajaja“, sage ich und nicke. Mir tut schon der Hals weh.
„Mitglied im Verein zum Haustierschutz werden?“
„Jajaja.“
„Abos über sechs verschiedene Fernsehzeitschriften abschließen?“
„JA!“, brülle ich und nicke.
„Gerne“, sagt sie.
Sie sagt einen Preis. Ich zahle mit Karte, unterschreibe mehrere Formulare. Dann torkle ich, immer noch nickend und zwei schwere Tüten schleppend, nach draußen.
Mir ist schwindelig. Ich wanke durch die Fußgängerzone davon. Langsam wird das Nicken schwächer.
Aber dann ist da plötzlich dieser Gedanke.
Es ist nicht mein eigener.
Ich versuche ihn zu unterdrücken.
Es gelingt mir nicht.
Ein Bleistift. Ich brauche einen Bleistift.
Nein, brauche ich nicht!, schreie ich in mich hinein, aber mein Körper gehorcht mir nicht mehr. Schwerfällig wendet er, dreht sich um 180 Grad. Meine Beine beginnen ruckartig vorwärts zu schreiten, immer schneller. Ich suche nach etwas, an dem ich mich festhalten kann, aber da ist nichts, nur eine Oma mit Rollator, die mich verwundert anglotzt.
Ich betrete den Schreibwarenladen.
Ich will das nicht!
Ich will nach Hause!
Ich will doch nur ein paar Seiten ausdrucken!
Ich… Ich will… Ichichich…
… brauche einen Bleistift. Das ist es!
Vielleicht gibt es ja ein Angebot.