Wir sind Weltmeister

von sebschulz2013

Dr. K. Nickel gewidmet

Es war alles andere als ein Spaziergang: Wir haben geackert, geschuftet, wir haben alles gegeben und uns irgendwie durchgebissen, von all den Jahren intensiver und akribischer Vorbereitung ganz zu schweigen. Das Finale war wie erwartet eine ganz enge Geschichte, aber am Ende sind wir für unseren unerschütterlichen Siegeswillen belohnt worden. Jetzt stehen wir ganz oben und schauen herab, genießen die weltweite Aufmerksamkeit von all den Millionen Fans, wir: mein Meerschweinchen Schnorchel und ich, die neuen Champions der Meerschweinchen-Züchter-Weltmeisterschaft!
Aber der Reihe nach: Mehr als 900 Meerschweinchen aus 50 Ländern sind im Finale in Würselen (Regierungsbezirk Köln) gegeneinander angetreten. „Unspektakulär“, mag jetzt der eine oder andere denken. Ich sage: Ein unvergessliches Erlebnis, von dem man noch seinen Enkeln und Urenkeln erzählen wird, größer noch als jede Fußball-WM. 900 Finalteilnehmer!
Vom ersten Moment war Feuer drin, denn die Preisrichten urteilen hart, kritisch und unnachgiebig. Bewertet wurden die Tiere in Kategorien wie Augen, Ohren, Körperbau und Farbverteilung, am Ende erhielten Sie Prädikate von „miserabel“ über „armselig“ bis hin zu „vorzüglich“, „Weltklasse“ und „göttlich“. Ich weiß nicht, wie viele Tausend Stunden ich investiert habe, um Schnorchel in allen Kategorien zu optimieren, denn die Richter sehen jeden Fehler. Zum Beispiel war das Meerschwein Honky mit ihrer Züchterin Gundula. Hoffnungsfroh und lächelnd präsentierte sie Honky den Preisrichtern, keine Minute später schlich sie weinend und zähneklappernd davon, Urteil: „Haare ungleichmäßig, nicht ganz voll, außerdem Verfilzungen und Körperbau etwas flach. Zähne ansatzweise kariös. Punktabzug“. Armer Honky, arme Gundula.
Schnorchel hätte solch ein Urteil niemals passieren können. Die Zähne fein, das Haar voll, jeder Haarwirbel an der richtigen Stelle, an Putzigkeit kaum zu überbieten. Entsprechend fiel auch das Urteil der Richter aus: „Schnorchel zeigt einen vorzüglichen Pony und einen vorbildlichen Backenbart. Der Körperbau ist vorne und hinten schön kräftig. Tadellose Bauchlinie, perfekter Halskamm. Höchstpunktzahl!“
Vor Freude habe ich wie ein Meerschweinchen angefangen zu knöttern und zu quieken. „Weltmeister! Schnorchel! Wir haben es geschafft!“
Viele haben mich seitdem nach unserer Erfolgsformel gefragt. Es ist ganz einfach: Da wäre natürlich zu allererst der wöchentliche Gang zum Meerschweinchenfriseur (ja, so etwas gibt es). Dazu täglich (!) Krallen kürzen, Ohren putzen, Fell kämmen. Dazu genügend Auslauf und eine Top-top-top-Ernährung. Schnorchel ernährt sich ausschließlich bio und vegan gemäß der Attila Hildmann Triät, hinzu kommen importierte Spezialgurken aus Indonesien. Man sieht: Kein Hexenwerk.
Ich möchte mich, auch im Namen von Schnorchel, für die unzähligen Glückwünsche bedanken, die wir in den letzten Tagen erhalten haben. Wenn das so weitergeht, muss ich meinen Briefkasten demnächst täglich leeren. Danke! Wir sehen uns in vier Jahren wieder.

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