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Hier schreibt Schulz über den täglichen Wahnsinn

Monat: August, 2014

Mir kommt das Knochenkotzen

Mal was in eigener Sache: Ich bin traurig. Sehr sehr traurig. Mein Freizeitspaß hier bei uns im Viertel hat in jüngster Zeit deutlich gelitten. Die Eckkneipe hat zugemacht! Stattdessen eröffnet ein Okö-Beauty-Salon mit blablabla Methoden, gut für Körper und Seele blablabla, ganzheitlich achtsam blablabla in Wahrheit wollen wir nur eure Kohle! (aber das steht da nicht, das steht da nicht!) – die Eckkneipe war gut für meinen Körper und meine Seele, verdammt! Der Wirt wollte auch meine Kohle, hat mir aber nie falsche Versprechungen gemacht! Ach scheiße! Schon die zweite verreckte Eckkneipe, in der ersten ist jetzt ein vegan-buddhistisches Café, wo sich im Cappuccino-Milchschaum kaffeebraune Drachen, Herzen und andere Schöngeistigkeiten tummeln.
Aber jetzt zu Punkt 2. Auch die Videothek hat zugemacht, die Videothek, verdammt! Drei neue Filme für 7,50 Euro bis zum nächsten Tag, dazu rauchende Angestellte, mit denen man sich über jeden Film mehr oder weniger sinnvoll austauschen konnte. Und jetzt ratet mal, was jetzt in die verwaisten Räume kommt, natürlich nach umfassender Renovierung. Ratet mal! Genau! Ein Okö-Beauty-Salon mit blablabla Methoden, gut für Körper und Seele blablabla, ganzheitlich achtsam blablabla in Wahrheit wollen wir nur eure Kohle! (aber das steht da nicht, das steht da nicht!) – die Videothek war gut für meinen Körper und meine Seele, verdammt!
Aber irgendwann, all ihr Okö-Beauty-Salons und veganen Cafés, irgendwann, das prophezeie ich euch, irgendwann, wenn sich niemand mehr für euch interessiert, dann werden die Eckkneipen und Videotheken aus ihren Löchern gekrochen kommen und sich ihren rechtmäßigen Platz zurückerobern! Und dann werde ich mir ein frisch gezapftes Bier und einen ehrlichen Kartoffelsalat aus dem Plastikeimer bestellen und auf euren Untergang anstoßen. Und danach leihe ich mir drei neue Filme für 7,50 Euro bis zum nächsten Tag aus und glotze die ganze Nacht!

Der Trend geht zum lebendigen Hut

Baseballkappen? Schiebermützen? Slouch Beanies? Ich sage mal – Trends von gestern. Wer sowas noch trägt, der schreibt wahrscheinlich auch noch SMS und liest gedruckte Bücher. Die Hutmode war schon immer ein schnelllebiges Geschäft und jetzt kommt der nächste Trend mit Vollgas um die Ecke gebogen. Damit ihr den nicht verpasst, gibt es hier ein kurzes Update in Sachen Style: Der letzte Schrei sind jetzt lebendige Hüte (manche von denen schreien wirklich!). Klingt erstmal bekloppt, ist aber so. In New York, Shanghai und London sieht man sie jetzt immer öfter. Kein Wunder. Mit einem Nacktschnecken-Fascinator ist man auf jeder royalen Hochzeit der Star, ein Zitterrochenschlapphut schützt zuverlässig gegen die Sonne und kühlt gleichzeitig, während die Original-Lammmütze einfach perfekt für den Winter ist und ordentlich blökt. Zugegeben, die meisten Modelle sind noch nicht ganz ausgereift – viele der lebendigen Hüte sind derzeit nach einmaligem Tragen oft nur noch wenig oder gar nicht mehr lebendig, aber in Zukunft werden diese kleinen Problemchen behoben sein. Dann werden auch die Tierschützer zufrieden sein und man kann ungestört einen lebendigen Hut tragen. Mein Favorit bisher ist der Oktopus-Hut, den man allerdings nur schwer wieder herunterbekommt. Ein guter Freund von mir, ein Modemacher in New York, schwört hingegen auf den Babyameisenbärhut, dessen einziger Nachteil die lange Zunge des Tiers ist, die einem ständig im Gesicht oder Kaffee hängt. Auch wer gerne Pelz trägt, Hermelin oder Kaninchen zum Beispiel, muss sich in Zukunft keine Anfeindungen durch seine tierliebende Umwelt mehr gefallen lassen, denn bald wird kein Tier mehr für eine Mütze sterben müssen. Alles bleibt lebendig, alles wird gut! Ich sage: Hut ab vor dieser Erfindung! Wer diesen Trend verpasst, ist selbst schuld.