Herr P. hält die Luft an

Herr P. fährt jeden Morgen mit der U-Bahn zur Arbeit. Fünf Stationen, er hat es nicht weit. Er verlässt seine Wohnung gegen 7.30 Uhr, läuft zur Station, wartet bis die Bahn kommt, steigt ein und hält sich irgendwo fest. Freie Plätze gibt es auf dieser Strecke um diese Uhrzeit nicht. Die Menschen stehen gedrängt, berühren sich.
Herr P. hat eine sehr feine Nase. In der U-Bahn hält er deshalb die Luft an. Die Menschen um ihn herum riechen nach so vielem. Herr P. kann sehr lange die Luft anhalten.
Normalerweise muss er nur fünf oder sechs Mal Luft holen, bis er seine Zielstation erreicht und aussteigt. Wenn er mehr als fünf Mal Luft holen muss, ärgert sich Herr P., das verdirbt ihm den ganzen Vormittag, er ist dann unfreundlich zu den Kollegen.
Niemand weiß, dass Herr P. jeden Morgen in der U-Bahn die Luft anhält und zu welcher Meisterschaft er es darin gebracht hat. Und niemand weiß, wie stolz er darauf ist. Deshalb fährt er auch jeden Tag weiterhin mit der U-Bahn anstatt mit dem Rad: Er hat Angst davor, aus der Übung zu kommen. So große Angst, dass er nachts manchmal nicht schlafen kann deswegen.
Herr P. hält die Luft an.
Er zählt die Sekunden.
Er lächelt.
Heute wird ein guter Tag.